Helgoland - meine Insel; das war nicht immer so


Dort, wo Sie heute blaues Wasser sehen, erstreckte sich in grauer Vorzeit grünes Marschland.

Die Deutsche Bucht existierte noch nicht und die flache Tiefebene zog sich von der Schleswig-Holsteinischen Geest bis etwa zur Doggerbank.

Inmitten dieser weiten Ebene ragten der vor über 200 Millionen Jahren entstandene rote Buntsandsteinfelsen und etwas nordöstlich davon der weiße Kreidefelsen empor. Man kann sich leicht vorstellen, dass dies für die frühen Bewohner der Marsch ein gegebener Ort war, um Sonnenwendfeste zu feiern, Zeremonien abzuhalten oder Häuptlinge zu begraben. So wurde dies das Heilige Land - det helge land - Helgoland.



Helgoland - meine Insel; das war nicht immer so


Eine Besiedlung zur mittleren Steinzeit ist durch Funde nachgewiesen. Mehrere Hünengräber und Fundstätten sind verzeichnet. Zur Kupferzeit war Helgoland der nördlichste, derzeit bekannte Ort, an dem Kupfer verhüttet wurde.Was dies für den damaligen Reichtum bedeutete, ist bis heute noch nicht abschließend erforscht. Einige vertreten die Theorie: „Atlantis lag bei Helgoland“.

Seit dem Ausklingen der letzten Eiszeit vor ca. 4000 Jahren ist Helgoland eine Insel. Den ersten schriftlichen Hinweis gibt es im Jahre 98 nach Christi von dem Römer Tacitus, der in seiner „Germanica“ von einem heiligen Hain mitten im Meer spricht.

Um das Jahr 1400 bildete Helgoland einen Brennpunkt im Kampf der Vitalien¬brüder um den Seeräuber Klaus Störtebeker und der damals sehr mächtigen Hanse.

Die Jahrhunderte danach bestimmte der Fischfang - ob Heringsfischerei, Schellfisch-Langleinenfang, Wal - und Robbenfang vor Grönland oder Austernfischerei südlich der Insel. Die Helgoländer nahmen, was die See hergab und sicherten sich so Ihren vielmals eintönigen Speiseplan.

Helgoland - meine Insel; das war nicht immer so


In der zweiten Hälfte des siebzehnten und im achtzehnten Jahrhundert bildete das Lotsen der Handelsschiffe in Elbe, Weser und Eider die Existenzgrundlage für viele Insulaner.

Mit der Besetzung der damals dänischen Insel durch die Engländer im Jahre 1807 erlosch das Lotsen schlagartig. Napoleon hatte die gesamte Küste Europas gesperrt und das nunmehr englische Eiland lag isoliert in der Nordsee. Die Blütezeit des Schmuggels begann. Mit großen Schiffen liefen die Engländer ihre Kronkolonie Helgoland an und schlugen Waren und Spione auf kleine Segler um, die die Helgoländer an den Franzosen vorbei durchs Wattenmeer lotsten. Bis zu 1000 Segelschiffe lagen damals gleichzeitig auf Reede.

Mit dem Sieg über Napoleon endete diese „Golden Era“, und die Helgoländer fielen in bittere Armut. Im Jahre 1826 gründete Jacob Andresen Siemens den Seebadbetrieb. Sehr schnell wurde die Insel zum mondänen Kurort für Adel und Großbürgertum. Das Fischerdorf wandelte sich zum viktorianisch geprägten Luxusort. Unterstützt durch den kunstsinnigen Gouverneur Maxse und die Epoche der Romantik, entwickelte sich die Insel zum Treffpunkt der Dichter, Maler und Schauspieler. Strindberg heiratete hier, Hoffmann von Fallersleben dichtete die Verse für die Deutsche Nationalhymne, Friedrich Hebbel und Heinrich Heine gehörten ebenso zu den Helgoländer Trendsettern wie die Maler Andreas Achenbach und Christian Morgenstern oder die Schauspieler Lotte Lehmann und Josef Kainz.

Helgoland - meine Insel; das war nicht immer so

 

Am 10.08.1890 übernahm Kaiser Wilhelm II die Insel vom britischen Gouverneur im Tausch gegen deutsche Besitztümer in Afrika. Helgoland ward deutsch - und der Bau von Kriegshafen und Festung begann.


Der Erste Weltkrieg ließ die Insel weitgehend unberührt, aber die Einwohner wurden aus dem „Frontgebiet“ evakuiert. Nach Kriegsende fanden Sie ihre Häuser  ramponiert und geplündert wieder vor.

Der Zweite Weltkrieg vollendete die totale Zerstörung des alten Helgoland und brachte eine erneute Evakuierung der gesamten Bevölkerung für ca. 10 Jahre mit sich.

Nach der Freigabe der Insel durch die Engländer am 01.03.1952 plante man in einem Gesamtentwurf bis ins Detail den Wiederaufbau in der heutigen Form. Für einige Fachleute ist dies „Die Blaue Mauritius der jungen bundesrepublikanischen Architektur“.

Helgoland - meine Insel; das war nicht immer so

 

Die Natur blieb trotz aller Wirren weitgehend unbeschadet. Nach wie vor erlebt man auf engstem Raum Dünenlandschaft und Steilküste, Hummerfang und Brutkolonien seltener Vögel, Seehunde und subtropische Pflanzen in großer Artenvielfalt. Manches, wie zum Beispiel die Seetangwälder rund um die Insel oder die hübsche chilenische Ziertanne, bleiben dem weniger interessierten Besucher auch ganz verborgen.

Die Intaktheit der Natur: Sie finden hier Deutschlands sauberstes Meerwasser und staubärmste Luft - durch den großen Abstand zum Festland bedingt. Mit 2030 Sonnenstunden im Jahr 1995 liegt Helgoland zudem in Deutschland einsam an der Spitze.

Die Sonne scheint zur Zeit auf ca. 1750 Einwohner und bei Vollbelegung auf etwa ebensoviele Urlauber, die sich die ca. 1,5 Quadratkilometer Insel und Düne teilen. Bis auf den hier gefangenen Fisch kommen alle benötigten Güter vom Festland, wohin auch der Müll zurücktransportiert wird. Strom, Fernwärme und Wasser (in einer Meerwasserentsalzungsanlage) werden vor Ort produziert.

Bis auf kleinere Flächen am Leuchtturm und am Schwimmbad sind die Möglichkeiten der Bebauung erschöpft.

Die Insulaner haben sich das neue Helgoland erschaffen und versuchen nun, nach einem von Evakuierungen und Zerstörungen geprägten Jahrhundert, an ihre Geschichte anzuknüpfen.